Als Veranstalter Peter Göbel am 1. April 2025 um Mitternacht die Nennliste für die vierte AvD-Röhrl-Klassik öffnete, konnte er sie wieder schließen, bevor sich der Tag zum Abend neigte. 185 Anmeldungen liefen in weniger als 24 Stunden ein, die Zahl der vorgesehenen Startplätze lag bei 150. Weil der geplante Startort Bregenz reichlich Hotelkapazitäten hatte, und es auch an Parkraum vor dem Festspielhaus nicht mangelte, konnte Organisator Göbel kurzfristig 20 weitere Plätze einrichten. Um so wenige Anwärter wie möglich zu enttäuschen, sollen es auch bei der fünften Ausgabe der Jubelfahrt zu Ehren des zweimaligen Rallye-Weltmeisters nicht weniger als 170 Plätze werden, aber die Erfahrung der Vorjahre lehrt: Wer dabei sein will, muss Gas geben.

Zugelassen sind wie immer alle Porsche-Modelle mit luftgekühlten Motoren oder Transaxle-Bauweise bis Baujahr 1998. Hätte der Veranstalter drei Wünsche frei, dann wären bei dem zu erwartenden lauwarmen Spätsommerwetter ein 550 Spyder, vielleicht ein 904 und ein 718 RSK am Start, nicht nur, um historische Exotik ins Feld zu bringen, sondern auch, um die zu erwartenden Zuschauermassen zu unterhalten.

Eingeübt durch die ebenfalls bereits fünf Mal vom gleichen Veranstalter ausgetragene Sauerland-Klassik und den Auftritt der Röhrl-Klassik 2024 sind die Sauerländer äußerst begeisterungsfähig. Nirgends in der Geschichte von Plusrallye säumte mehr Volk die Pistenränder, weshalb Rallye-Chef Peter Göbel plant, die Auflage der kostenlos von einem Vorauskommando verteilten – und im vorletzten Jahr zügig vergriffenen – Programmhefte erheblich zu erhöhen. Plusrallye-Partner AvD verdoppelt gegenüber der erst im Februar über die Bühne gegangenen AvD-Histo-Monte seinen Geleitschutz. Der älteste Automobilclub der Nation stellt angesichts des großen Feldes gleich zwei Pannenschutzfahrzeuge und Besatzungen ab. Und gemäß Plusrallye-Standard wacht schützend ein eigens angeheuerter Notarztwagen für den Fall der Fälle über die Teilnehmer und Orga-Mannschaft.

Rückgrat der diesjährigen Rallye ist die Weststraße in Schmallenberg, die mitten durch das Herz der Altstadt führt. Der im November mit Zweidrittel-Mehrheit frisch ins Amt gewählte Bürgermeister Johannes Trippe will die Weststraße am ersten September-Wochenende nicht nur an allen drei Rallyetagen für die Porsche-Parade freihalten. Die Werbegemeinschaft Schmallenberg plant bereits verlängerte Öffnungszeiten der Geschäfte, um möglichst viele Gäste zum abendlichen Stadtbummel anzulocken.

Das Jahr 1981 ist für Porsche-Freunde ein heiliges, denn der damals frisch gebackene Rallye-Weltmeister Walter Röhrl heuerte erstmals vor 45 Jahren als Werksfahrer in Zuffenhausen an. Im selben Jahr eröffneten ein paar Enthusiasten im sauerländischen Eslohe ein Museum für Dampfmaschinen samt eigener Zugstrecke, das 14 historische Dampfmaschinen und sechs Lokomotiven beheimatet, die – allesamt funktionstüchtig – an den „Dampftagen“ kurz vor der AvD-Röhrl-Klassik noch durch die Hallen des Museums „Dampf Land Leute“ fauchen.

Welchen passenderen Ort könnte es geben, wenn Walter Röhrl am Mittwoch des 2. September vor dem Start zum traditionellen Warm Up lädt, denn die Maschinerie des Museums ist von den Dampftagen wenige Tage zuvor noch warm und wird eigens zum Besuch des Hans Dampf in allen Rallye-Gassen und seinen bis zu 200 möglichen Gästen abermals angeworfen. Teams der vierten AvD-Röhrl-Klassik müssen sich nicht groß umgewöhnen, schließlich fand der Warm Up am Bodensee bei laufender Maschine auf dem historischen Raddampfer Hohentwiel statt. An verschiedenen Stationen werden am Mittwochabend also zwischen den Dampfmaschinen und in den anderen Ausstellungshallen kulinarische Spezialitäten serviert.

Gestärkt am Start geht es dann am frühen Donnerstagnachmittag in einer kompakten Schleife von knapp 150 Kilometern rund um Schmallenberg in die erste Etappe, auf der der Golfclub des Luxushotels Deimann während einer großzügigen Pause zum Barbecue einlädt. Am zweiten Tag schlägt sich das Feld am Freitag über die hessische Grenze nach Süden in Richtung Marburg und Kassel, während der finale Tag in Richtung Westen und damit quer durch das Sauerland führt.

Warm ums Herz wird es dem gebürtigen Attendorner Göbel nicht nur durch die Rückkehr in heimatliche Gefilde, sondern auch beim Sportgerät seines Ehrengastes mit der obligatorischen Startnummer 1. Der viermalige Monte-Carlo-Sieger Röhrl wird jenen 360 PS starken Carrera RSR aus dem Jahre 1981 steuern, mit dem er gemeinsam mit Freund Göbel auf dem Beifahrersitz 2009 den historischen Rallye-EM-Lauf an der Costa Brava in Spanien gewann, und der in Schmallenberg seine Wiederauferstehung feiert. Das Auto ertrank vor zwei Jahren beim Jahrhunderthochwasser im Remstal in der Werkstatt von Wolfgang Reile. Mit der Rettung seiner Schätze nach der Flut noch immer völlig unter Wasser überstellte die Porsche-Tuning-Legende das Auto nach Sachsen, wo ihn Rallye-Spezialist Jens Herkommer – bis auf den Motor, den hat Wolfgang Reile schon wieder startklar – komplett sanierte. Der Mann aus dem Erzgebirge dürfte seinem prominenten Werkstück im September reichlich Endorphin geflutet gegenüberstehen, denn Herkommer ist selbst ein regelmäßiger Teilnehmer der AvD-Röhrl-Klassik.

Zwar steht noch nicht fest, ob er – wie in den vergangenen zwei Jahren – mit TV-Kult-Kommissar Hinnerk Schönemann (Nord bei Nordwest) zusammenspannt, der wie so oft mit seiner Frau antreten will, die aber ebenso oft verhindert ist. Womit – wie des Öfteren – der AvD-Histo-Monte-Sieger Herkommer wieder ins Spiel kommen würde. Fest steht: Schönemann wird mit dem silbernen Porsche 964 antreten, den er in der vergangenen Jahren bewegte. Sein Auto hat ganz nebenbei auch die kürzeste Anreise: denn der Besitzer, der Schönemann den Porsche zur Verfügung stellt, stammt aus Schmallenberg.
Walter Röhrl teilte sich im Vorjahr das Auto mit seinem früherem Stammcopiloten Christian Geistdörfer. Wer ihm dieses Mal beisitzt, bleibt vorerst ebenso ein Geheimnis, wie die abschließende Abend-Gala.

Für einmalig und nicht zu schlagen hielten die Teams im Vorjahr die Bühnenshow der Schweizer Tanztruppe „The Blackouts“, die 2025 in der englischen Talentshow „Britain’s got Talent“ für Furore gesorgt hatte und auch Rallyestar Röhrl schlagartig zum Fan machte. Veranstalter Göbel will sich noch nicht in die Karten schauen lassen, wird aber nicht müde zu betonen, dass es neben allen Vorzügen der ohnehin perfekten Schmallenberger Stadthalle auch eine große Bühne gäbe.

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